Mezzanine

Christopher GrätzChristopher Grätz7. Februar 2019
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„German Mittelstand“ hat sich weltweit zum Markenzeichen etabliert: 93,6 Prozent der Unternehmer sind laut dem Bonner Projektleiter Hans-Jürgen Wolter vom Institut für Mittelstandsforschung derzeit in den Branchen Autohandel, Logistik, Elektronik, Maschinenbau – und im Dienstleistungssektor sowie Handel tätig. Wolter definiert Mittelstand durch die „Einheit von Eigentum und Leitung des Unternehmens“. Er bezieht sich dabei auf klassische Familienbetriebe. In ihren internen Strukturen seien privat geführte Firmen häufig sehr effizient. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sieht die „Spezialisierungs- und Nischenstrategie für innovative Dienstleistungen und Produkte“ als grundlegendes Kernelement des Erfolgs der Wirtschaft in Deutschland. Damit der Mittelstand weiterhin als Motor der deutschen Wirtschaft agieren und die Herausforderungen der Digitalisierung für sich nutzen kann, braucht es alternative Finanzierungsquellen.

Innovationsbremse Basel II & III

Aufgrund der weltweiten Finanzkrise hat der Baseler Ausschuss seit Januar 2007 mit Basel II und dem erweiterten Abkommen Basel III im Jahr 2013 auch die Eigenkapitalvorschriften verschärft, so dass die klassische Kreditvergabe von Banken an Mittelständler erschwert wurde. Dennoch ist Eigenkapital ein gutes Mittel zur Innovationsfinanzierung. Und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zeigt sich zuversichtlich darüber, dass der innovative Mittelstand weiterhin Deutschlands Erfolgsgeschichte schreiben werde. Doch wenn es um die Anschaffung teurer Maschinen zur Produktion von Erzeugnissen bzw. Energieeinsparungskosten durch Überholung alter Geräte oder gar abstrakte Digitalisierungsmaßnahmen geht, die sich erst einige Monate später auszahlen, entstehen Unternehmern schnell Liquiditätsengpässe.

Lösung für den Mittelstand: Mezzanine-Kapital

Dabei liegt die Lösung laut Experten-Stimmen nah: Die Mezzanine Finanzierung entdecken immer mehr Unternehmer als alternative Nachrangfinanzierung. Das Mezzanine-Kapital hat Vorrang gegenüber dem Eigenkapital und Nachrang gegenüber dem Fremdkapital und ist daher eine Mischform. Wobei die Mezzanine-Finanzierung eine hervorragende Möglichkeit zur Innovationsförderung ist, sagen Finanzexperten. Sie eignet sich beispielsweise als Kreditmittel, um neue Anlagen-Investments zu fördern, da dieses Kapital erst nachrangig zurückgezahlt werden muss. Durch die Grundstärkung des Eigenkapitals wird die Bilanzstruktur verbessert und das Unternehmen kann weiterhin frei über das Darlehen verfügen. Gläubiger werden nachrangig bedient, wobei ihnen seitens des Unternehmers keine Sicherheiten gewährleistet werden müssen. Im Insolvenzfall wird der Kapitalgeber erst nach den klassischen Fremdkapitalgebern bedient. Dieses Ausfallrisiko spiegelt sich in der höheren Verzinsung wieder.

 

 

Mezzanine, ein architektonischer Begriff

Der Begriff Mezzanine ist ein aus der Architektur entlehnter Fachbegriff und meint ein Zwischengeschoss eines mehrstöckigen Hauses. Die Bezeichnung führt auf das italienische Wort „mezzo“ – halb zurück und wird in der Finanzwirtschaft als Oberbegriff für alle eigenkapitalähnlichen, längerfristigen Finanzierungsformen verwendet, die eine Mischfinanzierung aus Eigenkapital und Fremdkapital bilden. Bekannt geworden ist diese Zwischenfinanzierung als Ergänzung zum klassischen Kredit zunächst in der Immobilienbranche, um den Eigenkapitalanteil zu erhöhen. Der Unternehmer verliert beim nachrangigen Eigenkapital anders als bei sonstiger Fremdfinanzierung nicht die Oberhand. Die Bilanz wird also nicht wie durch einen klassischen Fremdkapitalkredit belastet, sondern die Eigenkapitalbasis wird gestärkt.

Vorzüge der Mezzanine-Finanzierung

Wie Eigenkapital kann es in Form von Genussrechten, wertpapierverbrieften Genussscheinen oder stillen Beteiligungen gegeben werden. Dabei handelt es sich um Equity Mezzanine, ein eigenkapitalähnliches Darlehen. Nachrangiges, partiarisches Darlehen besitzt hingegen Fremdkapitalfunktionen. Bei der Mezzanine-Finanzierungen erhalten Unternehmer Vorteile aus beiden Finanzierungsformen.

Unter Finanzexperten gilt Mezzanine gemeinhin seit Jahren als alternative Außenfinanzierung, die auf Basis flexibler Laufzeiten, ihrer Nachrangigkeit gegenüber Gläubigern und steuerlichen Vorteilen wie bei Fremdkapital-Anleihen einen dynamischen Markt erwirkt sowie Unternehmern Liquidität für größere betriebliche Anschaffungen ermöglicht: “Aufgrund der erschwerten Finanzierungsbedingungen durch Basel III sind Finanzierungsmodelle wie die Aufnahme von Mezzanine-Kapital eine stark nachgefragte Alternative für mittelständische Unternehmer. Durch die entstandene Finanzierungslücke besteht eine besonders hohe Nachfrage zur Mezzaninen-Finanzierung im Handel, in der Industrie und im Technologiesektor. Die auf alternative Finanzierung spezialisierte Plattform kapilendo hat bis dato 130 Projekte finanziert; vom 3D-Messtechnik-Spezialisten bis zum Automobilzulieferer,” so Finanzexperte Christopher Grätz.

Vorteile

  • Nachrangig gegenüber dem klassischen Fremdkapital
  • Flexibel bei der Ausgestaltung
  • EK-Quote und Bonität werden verbessert
  • Keine dinglichen Sicherheiten
  • Zinsen sind steuerlich abzugsfähig
  • Keine Stimmrechtvergabe
  • Unabhängig von Rechtsform
  • Freie Verwendung des Kapitals

Für wen sich Mezzanine-Kapital lohnt

Die Mezzanine-Finanzierung geschieht unabhängig von Banken. Kapitalgeber sind institutionelle und private Anleger, die Investments über eine sogenannte Crowd finanzieren. Sie stellt ein geeignetes Kreditmittel dar, um neue Anlagen-Investments zu ermöglichen, die kostspieliger sind und sich erst nach einem bestimmten Zeitraum – etwa der Bau einer neuen Produktionshalle oder eine energiesparende Heizungsanlage – als gewinnbringend auszeichnen. Besonders interessant ist sie auch zur Akquisition eines Unternehmens und zur Wachstumsförderung. Auch um auf Digitalisierungsprozesse des Unternehmens einzuwirken, da diese Mischform erst nachrangig zurückgezahlt werden muss und zum Eigenkapital gerechnet werden kann. Die Nutzung von Mezzaninen-Kapital ist immer häufiger auch bei Unternehmensübernahmen oder Projektfinanzierungen üblich, da es den „Finanzierungsspielraum vergrößert und das Wachstum anschiebt. Der Unternehmer bleibt Herr im Haus“, sagt Grätz.

 


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