Einkaufsfinanzierung clever genutzt

Thomas AuerbachThomas Auerbach26. Oktober 20187min3770
Einkaufsfinanzierung clever genutzt

Das Geschäftsmodell einer handelsbasierten Einkaufsfinanzierung, das von kleineren Anbietern auch mit dem Kunstbegriff Finetrading bezeichnet wird, dient mittelständischen Unternehmen, um ihre Wareneinkäufe zu bezahlen und idealerweise durch den Einsatz dieses Instrumentes darüberhinausgehende Vorteile zu generieren. Dabei sind die Beweggründe der Unternehmen, die eine Einkaufsfinanzierung einsetzen, unterschiedlicher Art.

Einkaufsfinanzierung als Ergänzung des Finanzierungsmix bei mittelständischen Unternehmen voll im Trend

Die Einkaufsfinanzierung wird in der Regel als Ergänzung eines bereits vorhandenen Finanzierungsmix eingesetzt. Denn neben dem klassischen Bankkredit, der aus Sicht der Unternehmen immer weniger Handlungsspielraum zulässt und zunehmend Nachteile mit sich bringt, ist auch das Factoring seit langem eine wichtige Säule als Finanzierungsinstrument des Mittelstands geworden. Durch den Verkauf von offenen Forderungen lässt sich hier sehr schnell und einfach Liquidität verschaffen und Zahlungsziele überbrücken. Im Unterschied zum Factoring ist jedoch eine Einkaufsfinanzierung kein wirkliches Finanzierungsinstrument, sondern ein Handelsgeschäft – mit dem Wesensmerkmal, dass drei Parteien beteiligt sind: Wie bisher der Lieferant und der Abnehmer sowie nun darüber hinaus der Einkaufsfinanzierer, der die Ware im Auftrag des Abnehmers beim Lieferanten kauft und mit einem längeren Zahlungsziel an den Abnehmer verkauft.

Klarer Unterschied zum sog. “Reverse-Factoring“

Die Einkaufsfinanzierung wird oft mit dem Reverse-Factoring verwechselt. Die beiden Instrumente unterscheiden sich allerdings in einem wesentlichen Punkt: Beim Reverse-Factoring werden wie beim normalen Factoring Rechnungen verkauft und keine echten Güter.

Ein Vorteil der Einkaufsfinanzierung liegt darin, dass hier jeder einzelne Auftrag zwischen Lieferant und Abnehmer neu ausgehandelt und ausgewählt werden kann, bevor er beim Einkaufsfinanzierer eingereicht wird. Insofern ist dieses Modell bankenunabhängig und wird aufgrund dessen bilanziell auch anders bewertet.

Seitens Einkaufsfinanzierer wird dem Abnehmer keine Kreditlinie zur Verfügung gestellt. Die Mehrwerte werden rein aus dem Handelsgeschäft generiert, indem der Einkaufsfinanzierer in die Einkaufskette als Intermediär zwischengeschaltet wird. Hierfür werden jeweils zwei Kaufverträge geschlossen (Lieferant mit dem Einkaufsfinanzierer und Abnehmer mit dem Einkaufsfinanzierer), die üblicherweise in einen Rahmenvertrag gebettet werden. Dieser regelt die Konditionen für den Zwischenhandel. Das gesamte Handelsgeschäft ist bewusst einfach gehalten und zeigt dennoch maximale Wirkung.

Das Ergebnis: Die Bankenlinie wird entlastet und steht für Investitionen zur Verfügung.

Warum die Einkaufsfinanzierung einen deutlichen Mehrwert für das Unternehmen darstellt

Beispiel Stahlhandel: In Zeiten der Rohstoffverknappung kommt es darauf an, ausreichend Rohstoffe zur Verfügung zu haben, um die Nachfrage des eigenen Kundenkreises zu befriedigen. Um eine ausreichende Bevorratung zu ermöglichen, kommt die Einkaufsfinanzierung zum Zuge, um Mehrkontingente zur richtigen Zeit und zum richtigen Preis erwerben zu können und dabei die eigenen liquiden Mittel zu schonen. Denn die Gefahr ist stets, dass ein Auftrag mangels Material nicht fristgerecht fertiggestellt werden kann bzw. eine Lieferung zu spät erfolgt. Die Zusatzkosten durch Vertragsstrafen oder sogar die Verweigerung der Abnahme können zu einer massiven Schädigung des Unternehmens führen. Durch die verbesserte Verhandlungsposition beim Einkauf durch den Einsatz der Wareneinkaufsfinanzierung können üblicherweise sogar noch zusätzliche Einkaufsvorteile generiert werden.

Beispiel ungleiche Machtverhältnisse und enge Zahlungsziele: Sollte es im Zuge des Wareneinkaufs zu einem Ungleichgewicht der Vertragsparteien kommen, so kommen auch schnell Liquiditätsengpässe durch unterschiedliche Zahlungszielvereinbarungen zum Tragen, nämlich dann, wenn die spätere Zahlung des Kunden nicht an den Lieferanten durchgereicht werden kann. Um sich die “Vorfinanzierung“ dennoch leisten zu können und nicht unter Druck zu geraten bzw. in eine ungünstige Verhandlungsposition zu gelangen, ist der Einsatz einer Wareneinkaufsfinanzierung ein probater Lösungsansatz. Die Bankenlinien werden entlastet und Skontovorteile können vollständig genutzt werden. Durch den langfristigen, revolvierenden Einsatz des Modells zeigt sich ein optimales Zahlungsverhalten gegenüber den Lieferanten, was letztlich zu einer verbesserten und stabileren Positionierung gegenüber Geschäftspartnern führt.

Beispiel Maschinenbau: Schnelligkeit und Lieferbereitschaft im Wettbewerb sind ein wesentliches Kriterium für den Zuschlag eines Auftrags. Bei langen Produktionszeiten ist es von Vorteil, wenn Maschinen oder Bauteile bis zu einem gewissen Fertigungsgrad vorproduziert werden. Bei entsprechender Nachfrage kann das Unternehmen eine zügige Lieferbereitschaft garantieren. Nicht immer ist der Preis das Entscheidungskriterium, oftmals ist es die Zeit.

Die Vorteile sind deutlich erkennbar

Dank der großzügig bemessenen Zahlungsfrist kann ein Unternehmen nicht nur seine liquiden Mittel schonen, sondern auch die Sofortzahlung durch den Einkaufsfinanzierer in der Vertragsverhandlung mit dem Lieferanten als Argument für bessere Konditionen einsetzen.

Dabei kostet der Einsatz des Instrumentes im Verhältnis zu anderen Finanzierungsmitteln einen überschaubaren Betrag. Für die Einrichtung einer Wareneinkaufslinie mit Vertragsschluss wird 1% der Nettolinie einmalig fällig.

Die Inanspruchnahme ist, je nach Möglichkeiten Skonti zu generieren oder Einkaufsvorteile bei Ihren Lieferanten zu erhalten, kostenneutral. Können keine Vorteile auf der Lieferantenseite ausgehandelt werden, liegen die monatlichen Gebühren vergleichsweise günstig bei 1% pro Monat für die aktuelle Inanspruchnahme. Je nach Finetrader werden auch weitere Zusatzgebühren für die Bereitstellung und teilweise höhere Stundungsgebühren erhoben.

Vorzüge einer Wareneinkaufsfinanzierung

  • Schnelle Bezahlung des Lieferanten mit Nutzung von Rabatten und Skonti,
  • Schonung von Kreditlinien,
  • Möglichkeit zur Annahme zusätzlicher attraktiver Großaufträge,
  • Optimierung von Working Capital.

 Mögliche Anlässe einer Warenfinanzierung

  • Ein Kunde erteilt einen Großauftrag ohne entsprechende Anzahlung,
  • Kreditlinien decken steigende Einkaufsvolumina nicht,
  • Bilanzkennzahlen sollen durch den Abbau von Bankkrediten verbessert werden
  • Rabatte und Skonti sollen konstant genutzt werden.
Thomas Auerbach

Thomas Auerbach

Thomas Auerbach ist Mitglied der Geschäftsleitung bei der Deutsche Einkaufsfinanzierer GmbH.

Die Deutsche Einkaufsfinanzierer GmbH mit operativem Sitz in Stuttgart ist seit ihrer Gründung 2015 erfolgreicher Teilnehmer am Markt alternativer Finanzierungsmodelle. Im Portfolio der Deutsche Einkaufsfinanzierer GmbH befinden sich Unternehmen aus allen Branchen, denen Einkaufslinien ab 250.000 € zur Verfügung gestellt werden. Große stahlverarbeitende Unternehmen sind genauso vertreten wie namhafte Modelabels, Automobilzulieferer oder IT-Dienstleister.


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