Crowdinvesting gewinnt weiter an Bedeutung

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Die Crowdinvesting-Branche ist erwachsen geworden. Das zeigt sich daran, dass Schwarmfinanzierungen zunehmend ein älteres, gut informiertes Investorenpublikum anziehen. Darüber hinaus arbeiten die Crowdinvesting-Plattformen heute vermehrt mit professionellen Leadinvestoren zusammen.

2017 war ein gutes Jahr für das Crowdinvesting in Deutschland. Letztes Jahr fanden gemäß crowdinvest.de 199 Finanzierungsrunden statt, die insgesamt 165,8 Millionen Euro an Mezzanin- und Eigenkapital generierten – hauptsächlich in Form von partiarischen Nachrangdarlehen. Das ist ein sattes Plus von 163 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Löwenanteil von 125,6 Millionen Euro ging an Immobilienprojekte. Seit 2015 erlebt das Immobilien-Crowdinvesting einen regelrechten Boom.

Doch auch die Schwarmfinanzierung von Unternehmen legte im letzten Jahr um 81 Prozent auf 33,9 Millionen Euro zu. Die Steigerung geht in erster Linie darauf zurück, dass immer mehr Wachstumsunternehmen und etablierte KMU diese Finanzierungsform für sich entdecken. Bei den Startups hingegen blieb das Crowdinvesting während der letzten fünf Jahre auf einem Niveau von 15 Millionen Euro stabil.

Crowdinvestoren sind erfahrene Anleger

Damit ist klar: Allen Befürchtungen zum Trotz konnte das 2015 in Kraft getretene Kleinanlegerschutzgesetz dem Crowdinvesting-Markt nichts anhaben. Allerdings hat das Gesetz, das Investitionen von Privatpersonen auf 10.000 Euro beschränkt und ab 1.000 Euro die Selbstdeklaration von Einkommen und Vermögen verlangt, die Investorengemeinde reifen lassen. Nerds mit einem Faible für ausgefallene Geschäftsideen sind heute in der Minderheit.

Wie die Umfrage eines führenden Crowdinvesting-Anbieters zeigt, ist der typische Crowdinvestor (Investorinnen sind selten) ungefähr 40-jährig und verfügt über ein Jahreseinkommen von mehr als 40.000 Euro. Die meisten Befragten gaben an, sie hätten Anlageerfahrung und investierten auch in Aktien. Im Mittel engagierten sie sich bei drei verschiedenen Crowdinvesting-Projekten und stellten dem einzelnen Unternehmen 600 Euro zur Verfügung. Crowdinvestoren wollen zwar innovative Ideen fördern, sind aber keine Idealisten. Vielmehr erwarten sie innerhalb von fünf Jahren eine marktübliche Rendite von 50 bis 100 Prozent.

Zusammenarbeit mit professionellen Leadinvestoren

Nicht nur die Schwarmanleger sind in den letzten Jahren reifer geworden. Auch die Crowdinvesting-Plattformen haben sich weiterentwickelt. So arbeiten sie heute vermehrt mit institutionellen Anlegern, Venture-Capital-Gesellschaften und Business Angels zusammen. Bei einer der führenden Plattformen sind mittlerweile 85 Prozent aller Projekte kofinanziert.

Dies mag zwar dem demokratischen Ideal der Schwarmfinanzierung widersprechen. Doch erfahrene Investoren können mit ihrem Wissen und ihrem Netzwerk einen entscheidenden Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Außerdem verlaufen Crowdinvesting-Kampagnen regelmäßig erfolgreicher, wenn ein Leadinvestor an Bord ist. Privatanleger, die häufig nicht in der Lage sind, eine Geschäftsidee einzuschätzen, haben mehr Vertrauen, wenn ein Investment-Profi vom Businessplan des Unternehmens überzeugt ist.

Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit Risikokapitalgebern wichtig, um Anschlussfinanzierungen sicherzustellen. Startups benötigen für die Finanzierung einer Wachstumsphase nämlich oft mehr Kapital, als sie bei einer weiteren Crowd-Finanzierungsrunde auftreiben könnten. Professionelle Investoren waren bisher aber zurückhaltend, wenn sich ein Unternehmen durch die Crowd finanzierte. Sie fürchteten, dass die Auseinandersetzung mit vielen Klein- und Kleinstanlegern Mehraufwand verursacht. Die Zusammenarbeit mit den Crowdinvesting-Portalen hilft, diese Bedenken zu zerstreuen. Mittlerweile ist es nicht selten, dass Risikokapitalgeber erst durch eine erfolgreiche Schwarmfinanzierung auf ein Unternehmen aufmerksam werden.

ICOs – die Zukunft des Crowdinvesting?

Seit einem Jahr beherrscht eine neue Art der Schwarmfinanzierung die Schlagzeilen: der Initial Coin Offering (ICO), auch als Token Sale bekannt. Beflügelt durch den Bitcoin-Höhenflug, haben einzelne Unternehmen begonnen, eigene Kryptowährungen (respektive Tokens) herauszugeben. Damit räumen sie den Besitzern – ähnlich wie mit einem Wertpapier – gewisse Rechte ein, beispielsweise das Recht auf einen Gewinnanteil.

Bei ICOs kommen mitunter gewaltige Summen zusammen. So spülte der bisher größte Token Sale einem kalifornischen Startup, das an einem dezentralen Cloudspeicher namens Filecoin arbeitet, 257 Millionen US-Dollar in die Kasse. Weltweit zogen ICOs letztes Jahr 5,6 Milliarden Dollar an Land.

Der Haken dabei: Für ICOs bestehen noch kaum Regulierungen. In Deutschland entscheidet die BaFin im Einzelfall, ob die neu emittierten Tokens Wertpiere, eine Vermögensanlage oder keines von beidem sind. Aufgrund der rechtlichen Unsicherheit sind ICOs derzeit keine Alternative zur Finanzierung über Crowdinvesting-Plattformen.

Dennoch: Je nachdem wie sich die Rechtslage entwickelt, haben Token Sales durchaus Potenzial – vor allem für Blockchain-Startups. Das klassische Crowdinvesting werden sie jedoch nicht ablösen. Dieses wird weiter wachsen. Für zusätzlichen Schub könnte der Gesetzgeber sorgen, wenn er die Ausnahme von der Prospektpflicht auf Genussrechte und stille Beteiligungen erweitern würde. Unabhängig davon wird der Wettbewerb die Crowdinvesting-Plattformen zwingen, sich stärker zu spezialisieren. In diesem Zusammenhang wird die Kooperation mit institutionellen Investoren noch an Bedeutung gewinnen

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